Grundbegriffe bei Spina bifida und Hydrozephalus

 

 

 

Arbeitsgemeinschaft Spina bifida-Hydrocephalus (ASBH)

Elternselbsthilfevereinigung,
Bundesverband: Grafenhof 5, 44137 Dortmund, Tel.: 0231- 8610500.
Bereichsgruppen in ganz Deutschland.
 

ArQue e.V.

Arbeitsgemeinschaft für Querschnittsgelähmte mit Spina bifida
Hartmühlenweg 2-4
55122 Mainz
Tel und Fax: 0 61 31- 32 06 32
Montag bis Freitag 8:30 Uhr - 12:00 Uhr
Homepage:
www.arque.de
e-mail:
info@Arque.de
Bereichsgruppe der ASBH für das Gebiet Rhein-Main-Nahe.

 

Die Adressen weitere Selbsthilfegruppen erfahren Sie bei der ASBH.  

ARNOLD-CHIARI-Fehlbildung (ACF)

Unten gelegene Anteile des Kleinhirns (die Kleinhirntonsillen) sind  im Wirbelkanal der oberen Halswirbelsäule nachzuweisen. Die Kleinhirnanteile können den Wirbelkanal einengen und einen abnormen Druck auf das Rückenmark ausüben. Der Nachweis der ACF ist (orientierend) sonographisch und (exakt) mit einem Kernspintomogramm möglich.

Arnold-Chiari Syndrom

(besser: Arnold-Chiari-Sequenz); krankhafte Veränderungen und neurologische Symptome, die durch die  → Arnold-Chiari-Fehlbildung hervorgerufen werden.

cervikal / zervikal

zum Hals gehörend

Elternselbsthilfe-Vereinigung

Arbeitsgemeinschaft Spina bifida-Hydrozephalus (AsbH).

Folsäure

Die Folsäure ist ein Vitamin, das wahrscheinlich bei der Entwicklung (u.a.) der Wirbelsäule eine besondere Bedeutung hat. Bei Folsäuremangel kann es zur Entstehung  der Spaltbildung der Wirbelsäule (Spina bifida) kommen. Deshalb wird allen Müttern, die ein Spina bifida-Kind geboren haben, die regelmäßige Einnahme von 4 mg Folsäure pro Tag empfohlen.

Hirninnenräume

>>  Hirnkammern

Hirnkammern (vgl. Abbildung)

(lat.: Ventrikel) oder: Hirninnenräume; natürliche, mit Hirnwasser gefüllte Räume im Gehirn.
Unterschieden werden vier große Hirnkammern:
zwei seitliche Hirnkammern (= Seitenventrikel, auch als I. und II. Ventrikel bezeichnet): Flache, langgestreckte Kammern beidseits der Mittellinie des Gehirns, in denen das Hirnwasser (Liquor cerebriospinalis) und das Rückenmarkswasser hauptsächlich gebildet wird. Die seitlichen Hirnkammern haben an ihrem unteren Ende je eine Öffnung (Foramen Monroi), aus denen das Hirnwasser abfließt.
3. Hirnkammer (III. Ventrikel): Einzelne Hirnkammer (unterhalb der seitlichen Hirnkammern), in die das Hirnwasser aus der I. und II. Hirnkammer hineinfließt. Am unteren Ende der 3. Hirnkammer beginnt ein langgestreckter Verbindungsgang (Aquaeductus Sylvii), der das Hirnwasser in die IV. Hirnkammer überleitet.
(IV. Ventrikel): Flache Hirnkammer mit zeltförmigem Dach im Bereich des Kleinhirns und des Überganges des Gehirns zum Rückenmark. Am unteren Ende befinden sich drei Öffnungen: zwei seitliche Öffnungen (Foramina Luschkae) und eine mittlere Öffnung (Foramen Magendii), über die das Hirnwasser sowohl in den Bereich des Rückenmarks wie auch in die Umgebung des Gehirns abfließen kann.

Erweiterung der Hirnkammern (= Hydrozephalus)

Wenn das Hirnwasser nicht aus den Hirninnenräumen abfließen kann, kommt es zur Erweiterung der Hirninnenräume (Hydrozephalus internus). Häufige Ursachen für eine Behinderung des Abflusses des Hirnwassers ist eine Anlagestörung der Verbindungsgänge zwischen den Hirnkammern.
Vgl. auch die Stichworte: Hirnwasser, Hydrozephalus

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Hirnwasser / Rückenmarkswasser

Flüssigkeit, die in allen >> Hirnkammern (Ventrikel), vor allem jedoch in den beiden großen Hirnkammern (1. und 2. Ventrikel) gebildet wird. Das Hirnwasser schützt Gehirn und Rückenmark gegen Erschütterungen.

Hirnwasserableitung

(engl.: shunt). Künstliche Ableitung von Hirnwasser aus den Hirnkammern (Ventrikel) in das Herz (genauer: in den rechten Herzvorhof = ventrikulo-atrialer shunt) oder (bevorzugt) in die Bauchhöhle (sog. ventrikulo-peritonealer shunt).
Die Hirnwasserableitung besteht in der Regel aus
- einem zentralen Katheter, der das Hirnwasser aus dem 1. oder 2. Hirninnenraum bis zum Ventil leitet
- dem Ventil (meist rechts oben oder seitlich unter der Schädelhaut zu tasten), das die Strömungsrichtung des Hirnwassers und (je nach System auch) den Druck reguliert
- einem Anti-Sog-Zusatz, das mit dem Ventil verbunden ist und das bei einer Bauchableitung (ventrikulo-peritonealer shunt) einen zu schnellen Abfluss von Hirnwasser verhindert, wodurch Unterdruck im Schädelinneren vermieden wird
- dem unter der Haut verlegten peripheren Katheter, der das Hirnwasser in das Herz (s.o.) oder in die Bauchhöhle (s.o.) ableitet
Die Hirnwasserableitung und ihre Funktion wird bei regelmäßigen neurochirurgischen Vorsorgeuntersuchungen überwacht.

Hirnwasserkreislauf

Bildung von Hirnwasser: in den Hirninnenräumen (Ventrikel 1 und 2), vor allem in den seitlichen Hirninnenräumen.
Überleitung: Das  Hirnwasser gelangt über (enge) Verbindungsgänge an die Oberfläche von Gehirn und Rückenmark.
Wiederaufnahme: Von der Hirnoberfläche und entlang der Nerven wird das Hirnwasser wieder in den Blutkreislauf aufgenommen.
Eine Störung des Hirnwasserkreislaufes führt zu einer Erweiterung der Hirninnenräume (>> Hydrozephalus internus).

Hydrozephalus internus

Erweiterung der Hirninnenräume (Hydrozephalus internus)

Kernspintomogramm

(Tomographie = Darstellung von Schichten). Radiologisches (röntgenfreies) Verfahren, mit dem Gewebestrukturen (z.B. Gehirn und Rückenmark) exakt in beliebig zu wählender Schichtdicke dargestellt werden können.

Liquor

Bezeichnung für >> Hirn- und Rückenmarkswasser. Vgl. auch >> Hirnwasserkreislauf.

lumbal

zur Lendenwirbelsäule gehörend (vgl.>> Wirbelsäule).

Meningomyelozele (MMC)

Blasenartige Vorwölbung am Rücken im Bereich der Spaltbildung (=Zele), in der Teile des Rückenmarkes (=Myelon) und die das Rückenmark umgebenden Hüllen (=Meningen) enthalten sind. Die Zele wird unmittelbar nach der Geburt möglichst sorgfältig mikrochirurgisch abgetragen, das dann frei liegende Rückenmark und die Rückenmarkshüllen mit Haut überdeckt und damit geschützt.

Myelomeningozele

>> Zele; >> Menigomyelozele

sakral

zum Kreuzbein (= Os sakrum) gehörend (vgl. >> Wirbelsäule).

 

Shunt

Englische Bezeichnung für >> Hirnwasserableitung

Spaltbildung der Wirbelsäule

>> Spina bifida

Spina bifida

Umschriebene Spaltbildung der Wirbelsäule durch Fehlen des hinteren Wirbelbogens
(vgl. Abbildungen)

Hinterer Wirbelbogen                                   Fehlender hinterer Wirbelbogen
                                                                    (Spina bifida) [image]

 

 


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Die Ursache der Spaltbildung ist unbekannt. Ein Zusammenhang mit einer Störung des Stoffwechsels der >> Folsäure wird vermutet.

thorakal

zum Brustkorb gehörend (vgl.>> Wirbelsäule).

Ventil

Teil der >> Hirnwasserableitung, das die Strömungsrichtung und den Druck des Hirnwassers reguliert.

Ventrikel

>> Hirnkammer

Vorsorgeprogramm

Für Spina bifida-Patienten wurde ein spezielles Vorsorgeprogramm entwickelt. Einzelheiten erfahren Sie bei Ihrer >> Eltern-Selbsthilfevereinigung.

Wirbelsäule

Die Wirbelsäule besteht aus
- der Halswirbelsäule = zervikale Wirbelksäule = 8 Hals(Zervikal-)wirbel
- der Brustwirbelsäule = thorakale Wirbelsäule = 12. Brust(Thorakal-)wirbel
- der Lendenwirbelsäule = lumbale Wirbelsäule = 5 Lenden(Lumbal-)wirbel
- dem Kreuzbein = sakrale Wirbelsäule = 5 miteinander verwachsene
  Kreuzbein(Sakral-)wirbel = 5 Sakralwirbel.
- dem Steißbein = 5 miteinander verwachsene Steißbein(Coccygeal-)wirbel.

Zele

Bei der Geburt eines Spina bifida-Kindes nachweisbare blasenartige Vorwölbung von unterschiedlicher Größe im Bereich der Spaltbildung; in der Zele sind auch der unten gelegene Teil des Rückenmarkes (= Myelon) und Rückenmarkshäute (= Meningen) nachzuweisen (vgl.: >> Meningomyelozele).