Harnwegsinfektion, fieberhafte

 

 

 

Mögliche Ursachen

- Nierenbeckenentzündung (Pyelonephritis)
- stärkere Harnblasenentzündung  (Zystitis)

Kennzeichen 

- Krankheitsgefühl
- Fieber kann sehr hoch oder nur mäßig hoch sein
- Nierenschmerzen (können bei Lähmungen fehlen)
- stark veränderter Urin: Trübung, hohe Leukozytenzahl, Einweißerhöhung, manchmal
Blutbeimengung, übler Geruch (kann fehlen)
- Blutveränderungen: entzündliche Zeichen (z.B. BSG, CRP, Leukozyten) sind erhöht


Die Behandlung muss sofort erfolgen und die Ursache baldmöglichst abgeklärt werden.
Bei fieberhaften Harnwegsinfektionen ist der behandelnde Arzt / die an der Versorgung beteiligte Ambulanz stets zu benachrichtigen
Der urologische Behandlungsplan ist so zu verändern, dass fieberhafte Harnwegsinfektionen auf jeden Fall vermieden werden.

Vorgehen / Maßnahmen

1.  Bevor ein antibiotisches Medikament gegeben wird: Sicherung des Urins.
- entweder durch Anlegen eines vorgefertigten Nährbodens (Vgl. Anleitungen: >> Gewinnung von keimfreiem Urin bei Mädchen/ Gewinnung von keimfreiem Urin bei Knaben, >> Urinuntersuchung mit vorgefertigten Nährböden),
- oder /und baldmöglichst Weitergabe des Urins an den behandelnden Arzt zur Anfertigung eines Antibiogramms ( = Prüfung der Empfindlichkeit der Erreger gegenüber Antibiotika) und einer mikroskopischen Urinuntersuchung. Den Urin bis zur Weitergabe an den Arzt bei Zimmertemperatur aufbewahren, nicht im Kühlschrank!

2. Sofortiger Beginn einer Behandlung mit einem "Breitspektrum-Antibiotikum" in therapeutischer Dosierung (z.B. mit Cephaclor. Dosierung: 50 mg/kg Körpergewicht, im Allgemeinen nicht über 2 g/Tag, aber höherer Dosierungen sind möglich), zunächst  ohne den Erreger und seine Eigenschaften zu kennen (sog. "Blindbehandlung").

3.  Möglichst viel Flüssigkeit geben (vgl. Anleitung >> Flüssigkeitsbedarf). Wird Flüssigkeit verweigert, ist zu überlegen, sie über eine Infusion zuzuführen.

4. Bei schwieriger Flüssigkeitsaufnahme ist zusätzlich eine Harnblasenspülung mit körperwarmer Kochsalzlösung 1 - 2x am Tag angezeigt, um den eitrig veränderten Urin zu entfernen.

5.  Vorübergehend häufigere Katheterentleerungen. Evtl. vorübergehend tagsüber und nachts Verweilkatheter legen (vgl Anleitung >> Harnblase: Geschützter Nachtkatheter).

6. Baldmöglichst Veranlassen
- einer Blutuntersuchung: Blutsenkungsgeschwindigkeit, CRP (quantitativ). Die Blutentnahme sollte an sensibel gestörten Hautzonen erfolgen! Sie werden im Wochenabstand bis zur Normalisierung des CRP- Wertes empfohlen.
- einer Ultraschalluntersuchung der gefüllten und leeren Harnblase zum Ausschluss 
 - eines Urinrückflusses (Reflux) von der Harnblase in die Harnleiter - und - Nieren, 
 - einer Abflussbehinderung - eines Rückstaus - von Urin in Harnleiter und Nieren
 - von Veränderungen der Harnblasenwand (z.B. von Pseudodivertikeln)?,
 - einer Steinbildung

7. Sofort nach Vorliegen des Antibiogramms (nach etwa 2-3 Tagen): Gezielte Weiterbehandlung mit dem ermittelten sensiblen Antibiotikum

8. Die Dauer der antibiotischen Behandlung richtet sich sowohl nach dem klinischen Krankheitsverlauf wie nach den Blutwerten. In der Regel erfolgt die Behandlung mindestens eine Woche bis 10 Tage lang, bei Bedarf, d.h. bei weiter erhöhtem CRP-Wert, auch länger.

9. Nach Abklingen der Infektion: Abklären der Ursache durch eine
a) Wiederholen der Ultraschalluntersuchung der gefüllten und leeren Harnblase zum Ausschluss 
- eines Urinrückflusses (Reflux) von der Harnblase in die Harnleiter - und - Nieren, 
- einer Abflussbehinderung - eines Rückstaus - von Urin in Harnleiter und Nieren
- von Veränderungen der Harnblasenwand (z.B. von Pseudodivertikeln)?,
- einer Steinbildung
b) Wiederholen der Blasendruckmessung zur Klärung der Frage, ob sich der Lähmungstyp der Harnblase verändert hat.