Hirndruckzeichen - Allgemeines

 

 

 

Hirnwasser

Das Hirnwasser - auch Hirn- / Rückenmarksflüssigkeit - (= Liquor cerebrospinalis) wird durch ein Venengeflecht (Plexus chorioideus) gebildet, das (vor allem) an den Innenseiten der beiden seitlichen Hirnkammern liegt.

Hirnwasserkreislauf

Von den seitlichen Hirnkammer fließt das Hirnwasser durch eine Öffnung (Foramen Monroi) in die 3. Hirnkammer, von dort aus über einen dünnen Verbindungsgang (Aqaeductus Sylvii) in die 4. Hirnkammer, von wo es sich an der Hirnoberfläche verteilt und in den Wirbelkanal gelangt, wo es das Rückenmark umgibt. Der Kreislauf schließt sich, indem die Hirn-Rückenmarksflüssigkeit entlang des Nervensystems und über spezielle Bildungen der Hirnhaut (Granulationes arachnoidales) wieder in die Blutbahn aufgenommen wird.

Hirndruck

Hirndruck ist der im Inneren des Schädels bestehende Druck, unter dem das Gehirngewebe, das Hirnwasser (Liquor cerebrospinalis) und die Blutgefäße im Bereich des Schädels stehen. Die Höhe des Hirndruckes kann unter normalen Bedingungen zwischen 70 und 200 mm (Wassersäule) schwanken. Der gleiche Druck besteht auch in dem mit Rückenmarksflüssigkeit gefüllten Wirbelkanal, in dem das Rückenmark liegt. Ein krankhafte Veränderung des Hirndruckes, d.h. eine Erniedrigung oder Erhöhung des Hirndruckes, tritt z.B. durch Störungen des Hirnwasserkreislaufes bei erweiterten Hirninnenräumen (Hydrocephalus internus) auf. Diese Störungen werden an besonderen Zeichen (Symptomen) erkennbar: den Hirnüberdruckzeichen; abgekürzt (aber nicht ganz korrekt) ist der Begriff „Hirndruckzeichen" gebräuchlich. 

Hirndruckzeichen sind immer Zeichen von Hirnüberdruck

Entstehung von Hirnüberdruck

Ursachen von erhöhtem Druck können sein:

1. Plötzliche entstandener Defekt an der Hirnwasserableitung.
Ursachen: Stoß, Schlag, Sturz auf den Kopf. Lösen einer Verbindung am Ventil, Bruch, Abknickung  des peripheren Katheters. Herausziehen eines zu kurzen Bauchkatheters aus der Bauchhöhle. 
Folge: Akut auftretende Zeichen von Hirnüberdruck.

2. Allmähliches Versagen eines Hirnwasser ableitenden Systems (evtl. als Infusion)
Ursachen: Langsamer / teilweiser Verschluss des zentralen Katheters durch das Hirnwasser bildende Venengeflecht (Plexus chorioideus).
Folge: Zeitweises, flüchtiges bis langanhaltendes Auftreten von Überdruckzeichen

Für allmähliches Versagen der Hirnwasserableitung sprechen:

Technische Untersuchungen

3. Virusinfekte Bei Virusinfekten können vorübergehend verstärkt Hirndruckzeichen auftreten, vor allem, wenn die Hirnwasserableitung grenzwertig funktioniert.

4. Schlitzventrikel

Definition: Abnorme Verschmälerung der seitlichen Hirnkammern
Entstehung: Längerdauernde Ableitung von zuviel Hirnwasser (Überdrainage)
Folgen: Anliegen des zentralen Katheters an den Wänden der Hirninnenräume mit Verschluss der Abflusslöcher des Katheters.  Die hieraus folgenden Beschwerden wurden auch als „Schlitzventrikelsyndrom" bezeichnet
Entstehung der Beschwerden: Das neugebildete Hirnwasser kann nicht in den zentralen Katheter einfließen. Hierdurch kommt es zu einer (schmerzhaften) oft nur geringen Aufweitung der Hirnkammer, bis die Katheterspitze wieder frei liegt und das Hirnwasser ablaufen kann.

Klinische Hinweise:

Technische Untersuchungen: 

Bei der Beurteilung von Hirnüberdruckzeichen können folgende Grundregeln gelten:

Unklare Symptome, die auf eine krankhafte Veränderung des Hirndruckes hinweisen können, erfordern stets ärztlich diagnostische Maßnahmen und klärende Stellungnahmen.

Akute Erhöhungen des Hirndrucks

Akute Erhöhungen des normalen Hirndruck sind am plötzlichen Einsetzen auffälliger Hirnüberdrucksymptome erkennbar. Nicht selten geht ein besonderes Ereignis, wie ein Sturz oder ein unbeabsichtigter Stoß oder Schlag gegen den Schädel oder den Körper voraus. Die von den akuten Veränderungen des Hirndruckes ausgehenden Symptome müssen als Notfall schnellstmöglich geklärt werden und sind erkennbar an:

Länger dauernde (sog. chronische) Hirnüberdruckzeichen

sind gekennzeichnet durch allmählich auftretende, nur schwach bis mäßig ausgeprägte, oft wechselnde, in Abständen nachweisbare, oft lang anhaltende krankhafte Symptome.

Beachte:

1. So genannte chronische Hirndruckzeichen bestehen oft über längere Zeiträume unerkannt, bzw. werden nicht beachtet oder falsch bewertet. Eine regelmäßige Überwachung des Kindes und eine wiederholte Ausbildung der Patienten, der Eltern und Betreuer in den alterstypischen Hirndruckzeichen ist deshalb geboten.
2. Hinweise über verdächtige Symptome von Patienten, Eltern sind stets ernst zu nehmen.

Einige wichtige Einzelsymptome (alphabetisch)

Bauchschmerzen

Bei Bauchableitungen kann sich um das Katheterende im Bauch eine Zyste bilden, wodurch der Abfluss des Hirnwassers behindert werden kann. Die Diagnose wird durch eine sonographische Untersuchung gesichert.

Kopfschmerzen

Einer der wichtigsten Hinweise auf Veränderungen des Hirndruckes sind Kopfschmerzen. Weil Kopfschmerzen ein häufiges Symptom auch anderer Krankheiten sein kann, gelingt die Abgrenzung zum Hirnüberdruck oft nur in Verbindung mit anderen Hirnüberdruckzeichen. Bei der Beschreibung des Kopfschmerzes ist von besonderer Bedeutung:

Nackenschmerzen

oder vom Nacken in den Hinterkopf und weiter nach vorne ausstrahlende Schmerzen gelten als Hinweis auf Druckerscheinungen in der hinteren Schädelgrube, die durch die ARNOLD-CHIARI-Fehlbildung verursacht werden können. Bei Säuglingen und Kleinkindern besteht oft eine Nackensteifigkeit mit Zurückbiegen des Kopfes in Verbindung mit Schmerzsymptomen (Unruhe, Gereiztheit, Schlafstörungen). In Verbindung mit Fieber ist eine Nackensteifigkeit oft Ausdruck einer mäßigen Austrocknung.

Opisthotonus

Zurückbiegen des Kopfes in den Nacken. >> Nackenschmerzen.

Rückenschmerzen

Hirnüberdruck kann sich auch im Wirbelkanal ausbreiten. Bei Spaltbildungen (Spina bifida) kann es deshalb auch zu schmerzhaftem Druck sowie zum Anschwellen im Bereich der Spaltbildung kommen. Drückt man (vorsichtig) mit der Handfläche auf die Haut, treten Kopfschmerzen auf.

Schielen

Unfähigkeit, beide Augen auf einen Punkt zu richten. Formen (u.a.): Einwärtsschielen (Strabismus convergens), Auswärtsschielen (Strabismus divergens). Hinweis auf Erhöhung des Hirndruckes im Bereich der Nerven, die die Augenbewegungen steuern.

Schluckstörungen

Störungen des Schluckvorganges.
Ursachen: 
1. Schwellungszustände in im Bereich des Rachens durch Infektionen
2. Schmerzen bei viralen und bakteriellen Racheninfektionen
3. Neurologische Störung der am Schlucken beteiligten Nerven (vor allem des Nervus glossopharyngeus).
Komplikationen: Durch eine Schluckstörung kann es
a) zum Einatmen von Nahrungsbestandteilen (Aspiration) kommen (erkennbar an Asthma bronchiale, Bronchitis, Lungenentzündung)
b) die Nahrungsaufnahme erheblich beeinträchtigt sein.
Diagnose: 
1. Hals-Nasen-Ohren-ärztliche Untersuchung
2. Neurologische Untersuchung des N. glossopharyngeus und weiterer >> Hirnnerven.

Sonnenuntergangsphänomen

Das teilweise Verschwinden der Iris hinter dem Unterlid durch Verdrehen des Augapfels nach unten. Hierdurch entsteht der Eindruck, als gehe die Sonne (die Iris) hinter dem Unterlied unter. Das Sonnenuntergangsphänomen ist  bei ca. 1/3 aller Säuglinge normal, tritt aber auch als Krankheitszeichen bei >> Hirnüberdruck auf. >>Weitere Hirnüberdruckzeichen am Auge >> Auge, >> Augenhintergrund.

Allgemeine Maßnahmen bei Verdacht auf abnormen Hirndruck

Häusliche Maßnahmen 

Nachweis/Ausschluss von Azeton im Urin als Hinweis auf Austrocknung.
Ärztliche Maßnahmen 

Radiologische Untersuchungen

Zuständig: Arzt für Radiologie

Alle Altersstufen

Augenärztliche Untersuchungen

 

Hirnstrombild

Zuständig: Neurologe, Kinderarzt.